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Die Erinnerung bleibt ewig

Bericht über die diesjährige Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz/Birkenau -
von Nicole Klein
 
Die diesjährige Gedenkstättenfahrt der Schülerinnen und Schüler der Geschichtskurse der Jahrgangsstufe Q2 nach Auschwitz/Birkenau, die von Frau Rademacher und Herrn Conrad begleitet wurde, fand vom 28.09. bis zum 02.10.2016 statt.
Nachdem wir am Mittwochnachmittag zunächst mit dem Flugzeug in Kattowitz gelandet und per Bus in Krakau angekommen waren, stand zunächst eine abendliche Stadterkundung mit unseren Lehrern auf dem Programm, bei der wir einen ersten atmosphärischen Eindruck von der langen und interessanten Geschichte dieser außergewöhnlichen polnischen Stadt bekamen. Bei milden Temperaturen  beeindruckte vor allem das belebte Zentrum mit seiner historischen Kulisse und seinem von vielen Studenten und Touristen bevölkerten Hauptmarkt (Rynek Główny).

Am nächsten Tag besuchten wir das Jüdische Museum in Oświęcim (Auschwitz), das im Haus der ehemals dort ansässigen Familie Kornreich aus Oświęcim untergebracht ist. Dieses didaktisch aufwändig gestaltete Museum befasst sich vor allem mit dem Leben der jüdischen Bewohner von Oświęcim. Während unseres Besuchs hatten wir die Gelegenheit, uns zunächst über das jüdische Leben in der Stadt vor der NS-Besetzung und dem Zweiten Weltkrieg zu informieren. Durch Fotografien von Einzelpersonen, Familien und Freunden, interessante Dokumente und Artefakte von lokalen jüdischen Organisationen und Unternehmen, Ausgrabungsstücke, welche 2004 an der Stelle der ehemaligen Großen Synagoge gefunden wurden, sowie durch dokumentierte Zeitzeugenaussagen erhielten wir ein sehr facettenreiches Bild von dem Leben der Juden in Auschwitz vor dem Holocaust. Im Rahmen unserer Führung durch das Museum bekamen wir auch die Möglichkeit, die angegliederte Synagoge zu besuchen, die als einzige von insgesamt 20 Synagogen der Region den Zweiten Weltkrieg überstanden hat und sowohl als Ort des Gebets als auch als Ort der Bildung genutzt wurde und z.T. noch heute genutzt wird. Hier durften wir sogar die Thora  aus der Nähe betrachten und auch die sogenannte Schofar, ein Horn, das in der jüdischen Religion rituellen Zwecken dient, spielen.
Zurück in Krakau besichtigten wir am Nachmittag im Rahmen einer Stadtführung  zum Thema „Jüdisches Leben in Krakau vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg“ zunächst den jüdischen Friedhof. Wie bereits in der Synagoge wurden die männlichen Schüler dazu angehalten, eine Kippa als Zeichen des Respekts, der Ehrfurcht vor und der Verbundenheit mit Gott aufzusetzen. Wir erhielten nicht nur einen fesselnden Einblick in die Geschichte des Friedhofs, sondern erfuhren von unserer Stadtführerin ebenso viele interessante Details über die jüdische Religion. Der zweite und größte Teil der Stadtführung fand anschließend im jüdischen Viertel Kazimierz statt. Hier hielten einzelne Schülergruppen an verschiedenen Orten vorbereitete Referate (beispielsweise zu Oscar Schindler, zum Leben der Juden in Krakau vor und nach dem Zweiten Weltkrieg), die von unserer Reiseleiterin mit weiteren wissenswerten Details ergänzt wurden.

Am nächsten Tag erreichten wir nach etwa 80 Minuten Busfahrt das NS-Stammlager Auschwitz. Hier wurden wir in zwei getrennten Gruppen durch die von vielen internationalen Gruppen besuchte Gedenkstätte geführt und erhielten einen umfangreichen, detaillierten und sehr bewegenden Einblick in die Geschichte des Lagers und das Leiden der Menschen an diesem Ort während der Holocaustjahre. Durch verschiedene Präsentationsformen wie Fotografien, persönliche Gegenstände und Zeichnungen ehemaliger Häftlinge, großformatige Informationstafeln, erhaltene Lagerdokumente, aber auch durch private Filmaufnahmen jüdischer Familien, die mit Propagandareden kontrastiert wurden, sowie Ausstellungen privater Gegenstände (Dinge des täglichen Gebrauchs) und menschlicher Überreste (Haare) der ehemaligen Häftlinge wurden uns die furchtbaren und menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Lagerinsassen und die unfassbaren Auswüchse des nationalsozialistischen Terrors vor Augen geführt. Dass der Besuch des Stammlagers bei jedem von uns seine Spuren hinterließ, wurde bereits auf der sehr ruhigen Busfahrt zurück nach Krakau deutlich, zeigte sich aber auch im abendlichen Reflexionsgespräch mit unseren Lehrern. Bisher kannten die Meisten von uns lediglich das, was in Geschichtsbüchern geschrieben oder in Dokumentationen gezeigt wurde. Etwas ganz anderes war es jedoch, den historischen Ort dieser Grausamkeiten und Gewaltexzesse mit eigenen Füßen und voller innerer Anspannung zu betreten.
Dies wurde uns vor allem am nächsten Tag bewusst, an dem wir das ehemalige Arbeits- und Vernichtungslager Birkenau besichtigten. Bereits bei der Ankunft und dem Anblick der verstörenden Größe des Lagers wurde die Stimmung bedrückt. Während der Führung über das weitläufige Gelände sammelten wir eine Vielzahl von Eindrücken, die man nur schwer beschreiben kann. Wir besichtigten unter anderem die noch erhalten gebliebenen Baracken, den Waggon auf der Rampe, wo die Selektionen stattgefunden hatten, und die Krematorien. Allein der Geruch in den Baracken, in denen die Häftlinge damals unter katastrophalen Bedingungen untergebracht gewesen waren, lässt einen erahnen und dennoch nicht erfassen, wie die Menschen damals gequält wurden und wie sehr sie gelitten haben. Spätestens hier war mir klar: die Erinnerung an den Besuch dieser Gedenkstätte und an das unfassbare Leiden der Menschen, die hier von den Nationalsozialisten ermordet wurden, bleibt ewig.
Als wir an diesem letzten Abend vor unserer Rückreise gemeinsam die an diesem Tag gesammelten Gefühle und Eindrücke austauschten, wurde deutlich, dass wir zwar zum Teil unterschiedlich mit den aufwühlenden Erlebnissen umgingen, dass der Besuch der Gedenkstätte jedoch dennoch jeden von uns intensiv beschäftigte und Spuren hinterlassen hatte.
Die Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz/Birkenau hat uns verdeutlicht, wie viel Grausamkeit vor noch nicht allzu langer Zeit von den Nationalsozialisten an unschuldigen Menschen verübt wurde, und dass es unsere Pflicht ist, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten, um aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft zu lernen, damit etwas so Schreckliches nicht noch einmal passiert.
An dieser Stelle möchten wir dem Ehepaar Bethe (Bethe-Stiftung) sowie dem IBB (Internationales Bildungs- und Begegnungswerk) herzlich für die finanzielle Förderung unserer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz/Birkenau danken. Die Erinnerung daran bleibt ewig…
 

Dokumentation der diesjährigen Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz/Birkenau

Im Anschluss an die Gedenkstättenfahrt präsentierten die Schülerinnen Caroline Dick, Anika Wolter und Leoni Knüver des Leistungskurses Geschichte von Frau Rademacher ihre Ergebnisse zur persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust am 19.11.2016 im Rahmen eines Tageseminars des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) Dortmund und der Bethe-Stiftung.
Eine umfangreichere Ausstellung aller Schüler/innen, die an der diesjährigen gedenkstättenfahrt nach Auschwitz/Birkenau teilnahmen, fand zudem im Rahmen des Tages der offenen Tür am Homburgischen Gymnasium am 26.11.2016 statt. Neben einer Videopräsentation, den dokumentierten Gedanken der Schülerinnen und Schüler vor und nach der Gedenkstättenfahrt sowie Informationen zum Stammlager Auschwitz und zum Arbeits- und Vernichtungslager Birkenau präsentierten die Schüler auch Arbeiten zu den Schicksalen von Einzelpersonen im Lager Auschwitz bzw. Birkenau (beispielsweise Maximilian Kolbe, Otto Kösel oder Fredy Hirsch). Zudem stellten einzelne Schüler/innen ihre Ergebnisse zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust in Form von Gedichten, Bildern und Skulpturen aus.
 

















 



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